Magdeburger Militärtheater jetzt mit neuer Spielstätte in Bonn

Die Würfel sind gefallen. Das bekannte Drama ‘”der Soldat und sein Schießplatz” wird in leicht überarbeiteter Fassung am 16.3. ab 11:15 Uhr im Bonner Amtsgericht neu aufgeführt.

Die Justiz scheute weder Kosten noch Mühe, das Ensemble, das dieses Drama in 3 Akten normalerweise auf dem größten europäischen Truppenübungsplatz Europas, dem GüZ bei Magdeburg aufführt, (zur Verurteilung) nach Bonn zu holen.

In den Hauptrollen sehen Sie Dieter R., dem vorgeworfen wird, auf dem GüZ-Gelände herumgelaufen zu sein. In den Nebenrollen wirken mit: Hauptfeldwebel Zedler und Stabsfeldwebel Lieberknecht, die in der Regel nicht viel zum Tathergang sagen können. Und in einer weiteren Nebenrolle Amtsrichter Facius, der aus den Aussagen der beiden Webel ein Orakel herauslesen wird.

In den bisherigen Spielversionen des Dramas ging es um die Frage der Rechtswidrigkeit von antimilitaristischen Aktivitäten gegen Angriffskriege und deren Vorbereitungen. Gemäß den Anweisungen von Regisseur Packbiers vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschmutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, beschränkten sich Richter Facius und seine Kollegin darauf, festzustellen, das das Betreten der GüZ-Heide sinnlos sei. Damit würden von deutschem Boden ausgehende Angriffskriege z.B. gegen Afghanistan nicht verhindert. Punkt. Verurteilt und Staatsräson wieder hergestellt.

Man darf gespannt sein, ob auch dieses Mal nach den gleichen Regieanweisungen gehandelt wird, ist doch zumindest völlig offen, wer damals wo herum lief und ob Dieter R. überhaupt dabei war und wenn ja, ob es denn wirklich verboten war, dabei zu sein.

Ebenfalls darf man gespannt sein, wie viele Menschen den Beschuldigten bei diesem ungleichen Kampf in der Gerichtsarena spontan verteidigen werden und ob sich gar das Publikum als Ganzes von der Methode des Theaters der Unterdrückten mitreißen lässt und aktiv in das Geschehen eingreift.

Fürwahr, es erwartet Sie ein Drama mit offenem Ende, mit viel Spannung und Militär-Tamtam.

Gerichtstermin: 16.3 um 11:15 Uhr, Amtsgericht Bonn

Wilhelmstr. 21, Sitzungssaal S 2.08

Infoveranstaltung am Dienstag, 14.3. ab 20 Uhr im Buchladen Le Sabot (Breite Straße 76) in Bonn

Seit mehreren Jahren diskutieren im ‘war starts here’ Camp in der Nähe des größten europäischen Truppenübungsplatzes GüZ bei Magdeburg eine Woche lang viele unterschiedliche Menschen gemeinsam über Kriege und deren Vorbereitung. Es wird versucht, die Lage zu durchschauen, die Zusammenhänge zu analysieren und gegen diese Militärmaschine auch praktisch aktiv zu werden.

Dass das Militär nicht aufgrund unserer Aktionen sofort aufgibt, ist klar und auch erwartbar. Wurmen tut sie es trotzdem und inzwischen gibt es vor dem Bonner Amtsgericht, das bundesweit zuständig ist für Bußgeldverfahren wegen Betretungen von Militärgelände die ersten Verfahren gegen AktivistInnen.

Auf der Infoveranstaltung am Dienstag, 14.3. ab 20 Uhr im Buchladen Le Sabot (Breite Straße 76) in Bonn wird es weitere Infos zu den Bonner Prozessen und zum diesjährigen ‘war starts here’ Camp geben, dessen thematischer Schwerpunkt vom letzten Jahr (Krieg. Macht. Flucht.) nun um die Entwicklung antifaschistischer und antirassistischer Perspektiven erweitert wird, um die nach dem Ende des Sommers der Migration zu verspürende Ohnmacht gemeinsam zu durchbrechen.

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