Lesung über Pegida, Homophobie und Islamismus (Hörsaal 8)

Felix Bartels liest heute Abend aus seinem Buch:

“Während Pegida rollt und die sogenannten Mahnwachen fast schon wieder
vergessen sind, scheinen beide wie Karikaturen des von ihnen
gefürchteten oder verachteten Islamismus: als Massenbewegungen von
Narren mit eingebautem Vernichtungswunsch unter verstärkter
Endzeitstimmung. Die Furcht davor, dass alles den Bach runtergehe, ist
auch eine Triebkraft der Homophobie, die ihre Angst vor dem Anderen in
einer von Natur gegebenen Moral rationalisieren muss. Der Neuere
Konservatismus hingegen versucht seine Angst vor dem Ende in einer
bedingungslosen Unterwerfung des Individuums unter die Logik des
Kapitals zu bewältigen, welchen Akt der Selbstaufgabe er nur in einer
emphatischen Einzelkämpferpose vortragen kann.

Alle die erwähnten Formen haben gemein, dass sie auf die eine oder
andere Weise an der Gegenwart und ihrer Krise verzweifeln, dass sie
glauben, das Abendland retten zu können, indem sie seine
Errungenschaften (Individualität, sexuelle Freiheit, allgemeiner
Reichtum, Vernunft) preisgeben. Wo die Vernunft das Abendland
überwindet, indem sie von seinen Möglichkeiten redet, ist das
irrationale Denken daran kenntlich, die Wirklichkeit des
Abendländischen verteidigen zu wollen, indem es hinter diese
zurückgeht.

Felix Bartels studierte Klassische Philologie und Philosophie an der
Humboldt-Universität zu Berlin und lebt als Herausgeber, Lektor,
Literaturforscher und Autor in Eberbach nahe Heidelberg. Er wird drei
Texte aus seinem im Oktober erschienenen Buch »Odysseus wär zu Haus
geblieben. Schutzschrift mit Anhang« (Aurora Verlag) lesen.

Eine Veranstaltung des Referats für politische Bildung des AStA der
Universität Bonn.

08. Dezember 2015
20:00 Uhr
Hörsaal 8, Hauptgebäude der Universität Bonn
Eintritt wie immer frei”

http://www.asta-bonn.de/2015-12-08_20:00_Hellas_und_Hysterien_%28Lesung_mit_Felix_Bartels%29

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